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Interview

„Mein Ziel ist es, meinen Goalies jede Unterstützung zu geben, die sie brauchen.“

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion
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Sebastian Elwing im Interview über seinen Besuch bei „NetWork Goaltending“ und seine Arbeit als Torwarttrainer in Weißwasser bei den Lausitzer Füchsen.

DEL-Champion mit den Eisbären Berlin (2013), Zweitliga-Meister mit Kassel (2008) und München (2010), Einsätze im Nationaltrikot: Sebastian Elwing hat in seiner aktiven Karriere als Torhüter viel erlebt. Die Schlittschuhe hängen inzwischen am berühmten Nagel, aber „Elle“ ist noch ganz nah dran am Eishockey. Als Torwarttrainer ist er bei den Lausitzer Füchsen tätig und kommt auf der Suche nach neuen Impulsen in der Welt herum. Zuletzt war der 36 Jahre alte Vater von zwei Kindern in Nordamerika unterwegs, um die neuesten Entwicklungen im Torwartspiel zu verfolgen.

Sebastian, als Torwarttrainer kommst du viel Welt in der rum. Schweden, Finnland, Tschechien, Österreich und jetzt warst du in den USA…

Ja, ich wurde nach Madison in Wisconsin zu einem Symposium von NetWork Goaltending mit über 100 Torwarttrainern aus zwölf Nationen eingeladen. Die Hauptcampus der University of Wisconsin, an der das Symposium stattfand, verteilt sich auf 3,8 Quadratkilometer und beherbergt bis zu 50.000 Studenten. Es ist ein beeindruckender Komplex. Tony Granato führte uns durch den Bereich, der für den Eishockeysport bereitsteht. Dort kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es stehen unglaubliche Mittel zur Verfügung und den Sportlern wird alles bereitgestellt, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Greg Poss und Dany Heatley waren übrigens Absolventen dieser Universität.

Führung durch die heiligen Hallen mit Tony Granato.

Was waren die Inhalte des Symposiums?

Die Themen haben sich über alles erstreckt, was mit dem Spiel des Torhüters zu tun hat. Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Am besten fange ich bei meinem Freund Hannu Nykvist an, welcher einen unglaublichen Erfahrungsschatz besitzt und viele Ideen hat. Besonders wie man bei den Goalies vom Kind bis zu den Profis durch gezieltes und spezielles Training neben dem Eis, den Grundstein für eine erfolgreiche Weiterentwicklung auf dem Eis legt. Das ist eins seiner Hauptthemen. Dann David Alexander, welcher uns allen zeigte, wie wichtig die richtige Lauf- und Bewegungstechnik beim Schlittschuhlaufen ist. Dies führte er uns an Hand der richtigen Technik beim einsetzten der Kufenkanten vor Augen. Interessant war auch noch die Verknüpfung mit Statistiken dazu, von wo die meisten Tore fallen. Auf diese Informationen wird letztlich ebenfalls das Spiel der Torhüter ausgerichtet. Auch die Ausführungen von Thomas Magnusson waren sehr interessant. Er ist beim schwedischen Verband für die komplette Ausbildung der Torhüter zuständig – von ganz unten bis ganz oben. Was dort an Informationen bereitstand, ist unfassbar.
 

Die Tafel mit den Absolventen der University of Wisconsin, die in der NHL spielen.

Und wie so häufig trifft man auch auf alte Freunde und Weggefährten.

Die Welt ist klein (lacht). Mir ist unter anderem direkt Freddy Brathwaite über den Weg gelaufen. Es macht Spaß, sich mit Bekannten über unseren Sport zu unterhalten, in einen regen Gedankenaustausch zu treten und ihre Ansichten und Meinungen zu den verschiedensten Themen rund um das Torwartspiel zu erfahren und darüber zu diskutieren.
 

Über 100 Trainer aus 12 Nationen waren zu dem Symposium eingeladen.

Wenn man in Nordamerika ist, ist die NHL nicht weit. Wie war dein Kontakt zur besten Liga der Welt?

Das war sicherlich ein Highlight der Reise. Mike Valley, Director of Player Development bei den Dallas Stars, lud mich als Zuschauer zum Camp der NHL-Goalies ein. Hier hatte ich die Gelegenheit, acht NHL-Goalies gleichzeitig auf dem Eis sehen zu können. Es ist schon beeindruckend, auf welch hohem Leistungsniveau diese sich schon so früh in der Saison befinden und wie sie sich in solch einem Camp auf die neue Saison vorbereiten. Wenn man Namen hört wie Brian Elliot (Calgary Flames), Ben Bishop (Tampa Bay Lightning), Jimmy Howard (Detroit Red Wings), Jake Allen (St. Louis Blues), Kari Lehtonen (Dallas Stars), Andrew Hammond (Ottawa Senators), Scott Darling (Chicago Blackhawks) und Michael Hutchinson (Winnipeg Jets) schlägt einem Torwarttrainer das Herz schon etwas höher.

Die Arena der University of Wisconsin.

Rückblickend auf das Symposium: Was hast du für dich mitgenommen?

Neben allen Informationen die ich selbstverständlich mitgenommen habe und die ich versuche, in meine Arbeit zu integrieren, sind zwei Punkte in bleibender Erinnerung geblieben: Zum einen die freundschaftliche Verbundenheit unter den Trainern. Da bleibt keiner lange allein. Selbst wenn er die anderen Anwesenden zum ersten Mal in seinem Leben sieht. Ich denke, das ist eine wesentliche Charaktereigenschaft in unserem Sport. Das letzte CHL-Spiel der Eisbären ist ein schönes Beispiel dafür. Peter Mettler, der Torwarttrainer des EV Zug, war ebenfalls beim Symposium und wir haben einen guten Draht zueinander. Nach dem Spiel hat er mit seine Einschätzung zur Leistung von Marvin Cüpper geschickt, der dort für Berlin zwischen den Pfosten stand. Das ist wirklich eine tolle Sache. Zudem freue ich mich sehr, beim Symposium viele Einladungen zu Camps oder Besuchen vor Ort erhalten zu haben.

Und zum Zweiten?

Der zweite Punkt ist ein persönlicher. Ich hatte Kontakt zu einigen der weltbesten Torwarttrainer. Jungs, die seit Jahren die Ausbildung der Torhüter vorantreiben und ganz tief in der Materie sind. Wenn man dann sieht, dass deren Philosophie deckungsgleich mit der eigenen ist, dann ist das eine wunderbare Bestätigung. Das ist eine unglaubliche Motivation für die Aufgaben, die hier in Deutschland auf mich warten. Mein Ziel ist es, meinen Goalies jede Unterstützung zu geben, die sie brauchen.

Sebastian Elwing vor der "School of Business", in der das Symposium stattfand.

Apropos Deutschland: In Weißwasser arbeitest du intensiv mit den Torhütern. Ein Blick in die Statistik bringt zu Tage, dass die Füchse die zweitwenigsten Gegentore in der DEL2 gefangen haben.

Neben der gut funktionieren Defensive bei den Füchsen belohnen sich auch die Torhüter für ihre Arbeit. Wir trainieren täglich hart auf und neben dem Eis. Das rentiert sich jetzt. Es freut mich zu sehen, wie gut die Jungs spielen. Dass Maximilian Franzreb bereits für Berlin spielen durfte, ist ebenfalls eine Bestätigung meiner, aber auch seiner Arbeit.

Damit wären wir bei deiner Rolle als Koordinator der Kooperation mit den Eisbären Berlin. Wie sieht deine Rolle aus?

Ich schaue mir genau an, was unsere Förderlizenzspieler auf dem Eis machen. Wie fit sie sind und welche Leistungen sie abliefern. In Absprache mit Stefan Ustorf schauen wir dann, wie wir die Jungs in Berlin und Weißwasser einbinden können.

Sebastian, wir danken für das Gespräch.