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Interview

Mirko Lüdemann sagt "Tschö"

Patrick Ehelechner

Von Patrick Ehelechner
@pehelechner25

23 Jahre Kölner Haie, 1197 DEL-Spiele, 537 Scorerpunkte und 2 Meistertitel - eine Eishockey-Legende tritt ab.

Am 24.09.2016 findet in der Lanxess Arena das Abschiedsspiel für Mirko Lüdemann statt (LIVE ab 16:15 Uhr bei Telekom Eishockey). In unserem Interview verriet die Kölner Legende, wer sein Lieblingstrainer war und welcher verrückte Spieler während eines Meetings einfach mal eingeschlafen ist. Wir verneigen uns vor dieser einmaligen Karriere und sagen Tschö Mirko!

Telekom Eishockey: Hallo Mirko, eine einzigartige Karriere ging am 08.04.2016 in München zu Ende, wie waren Deine Gefühle nach dem letzten Schlusspfiff?

Mirko Lüdemann: Ehrlich gesagt wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass ich nicht mehr weiter professionell Eishockey spielen werde. Mit dem Thema Karriere-Ende habe ich mich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig befasst.

Wann hast Du dich dann dazu entschieden mit dem Eishockey aufzuhören?

Das kam alles etwas fließend. Als mir der KEC-Sport mitteilte, dass sie sportlich nicht mehr weiter mit mir planen würden, kam das Jobangebot in der Geschäftsstelle der Haie arbeiten zu können. Deswegen war es für mich ein fließender Prozess.

Du bist mit 1197 DEL-Spielen Rekordspieler der Liga, eine einmalige Leistung. Hast Du dir das jemals erträumen können so viele Spiele absolvieren zu können?

Als ich vor 23 Jahren bei den Haien angefangen habe, war das nicht in meinem Kopf. Mein Plan damals war, irgendwie bis Mitte 30 zu spielen und dann einfach zu schauen, was sich so ergibt. Aber das es dann doch bis ins Alter von 42 Jahren ging, hätte ich niemals für möglich gehalten. Ich muss aber dazu sagen, dass ich zum Glück von größeren Verletzungen verschont geblieben bin, ansonsten hätte ich wahrscheinlich schon viel früher aufhören müssen. 


Ehrung für Mirko Lüdemann zum 1000 DEL Spiel durch Gernot Tripcke (re).

Als Verteidiger hast Du es mit 537 Scorerpunkten sogar unter die Top 10 der „ewigen DEL-Bestenliste“ geschafft, nicht schlecht für einen Verteidiger? :)

Mit dieser Ausbeute bin ich eigentlich sehr zu frieden. Eigentlich hätte ich noch viel mehr Tore schießen müssen oder können. Die einzige Ausbeute, die mir persönlich überhaupt nicht gefällt, ist die Anzahl der Meistertitel. Wenn du acht mal im Finale stehst und gewinnst daraus letztendlich nur zwei, das ärgert mich noch bis heute. Aber zum Glück konnte ich wenigstens zweimal die Meisterschaft mit den Haie feiern, das ist immerhin besser als gar kein mal.

Wie hat sich das Leben von Mirko Lüdemann in diesem ersten Sommer ohne Eishockey verändert?

Sobald mir klar war, dass ich nicht mehr weiter als Eishockey-Profi agieren werde, habe ich zwei Monate lang gar keinen Sport gemacht. Weder Laufen, Krafttraining oder irgendwas anderes, einfach mal nichts tun. Ich habe das nach meiner langen Karriere einfach mal gebraucht. Im Mai habe ich dann meinen neuen Job in der Geschäftsstelle der Kölner Haie begonnen und arbeite dort brav von 9:00 bis 17:00 Uhr. Natürlich war es gerade am Anfang eine große Umstellung für mich, denn als Eishockey-Profi trainierst Du Vormittags, fährst dann gemütlich zum Mittagessen, legst dich dann noch ein bisschen hin und hast dann frei. Jetzt hat mich der ganz normale Alltagswahnsinn, das war eigentlich im Nachhinein die größte Umstellung für mich. 

Mirko Lüdemann

Jetzt hat mich der ganz normale Alltagswahnsinn

Nachdem Du jetzt nicht mehr so viel trainieren musst, bleibt dann mehr Zeit für Deine große Leidenschaft Tontaubenschießen?

Leider nein, denn eigentlich hab ich das immer nach dem Eistraining gemacht. Mit den normalen Arbeitszeiten schaffe ich es nicht mehr so häufig wie früher. Schade eigentlich.

In diesen 23 Jahren, in denen du für die Haie aufgelaufen bist, welcher Moment sticht für Dich persönlich ganz besonders heraus?

Das absolute Highlight war natürlich 2002, als ich als Kapitän der Mannschaft den Meisterpokal in die Höhe strecken durfte. Dieses Ereignis werde ich niemals vergessen! Auswärts beim Rivalen in Mannheim zu gewinnen, das war schon ein geiler Tag. Ehrlich gesagt, als wir 1995 Deutscher Meister in Landshut geworden sind, das ist schon so lange her, an diesen Moment kann ich mir schon gar nicht mehr erinnern.  


2002 Meisterfeier mit Jörg Mayr (re.)

In deiner aktiven Zeit hattest Du sagenhafte 17 verschiedene Trainer erleben dürfen, welcher davon war dein Favorit und warum?

Meine absolute beste Zeit waren natürlich die vier Jahre mit Hans Zach, deshalb freue ich mich umso mehr, ihn am Samstag begrüßen zu dürfen. In den 23 Jahren, in denen ich für die Haie spielen durfte, waren diese vier Jahre mit dem Hans die schönsten, die ich je hatte.

Warum war die Zeit mit Hans Zach so besonders für Dich? 

Vielleicht lag es daran, dass wir erst immer am Nachmittag trainieren mussten und so länger schlafen konnten (lacht). Oder, dass er uns in den Spiel-Pausen immer empfohlen hat nach Gran Canaria zu fliegen. Wobei hingeflogen ist auf seinen Rat keiner, denn keiner wollte in seinem Urlaub Hans am Strand sehen (lacht wieder). Deswegen sind wir dann lieber woanders hin. 

Rekordspieler Mirko Lüdemann

Keiner wollte Hans am Strand begegnen.

Du warst ein Teil davon, als am 23.03.2008 nach 168 Minuten und 16 Sekunden Geschichte geschrieben worden ist. Ihr habt weit nach Mitternacht, im längsten DEL Spiel der Geschichte, gegen die Adler Mannheim gewonnen. Bleibt dieses Ereignis auch immer in deinem Kopf? 

Nein, eigentlich nicht. Das ist so ein Spiel, das ich sehr schnell wieder abhaken und verdrängen wollte. Das hat sich eine Ewigkeit hingezogen und niemand wollte auch nur ein bisschen nachgeben. Zum Glück hat Philip Gogulla das Ding irgendwie reingestochert. Ich war einfach nur froh, dass dieses lange Spiel endlich zu Ende war.  

Du hast einige Mannschaftskollegen kommen und gehen gesehen, aber gab es vielleicht irgendeinen besonderen Vogel, an den Du dich gerne zurück erinnerst?

Ich hab hier bei uns einige lustige Vögel kommen und gehen gesehen. Markus Jocher war so ein Kandidat. Was der in der Kabine für Witze gemacht hat, das war der Wahnsinn. Aber der Torwart Wade Dubielewicz schießt den Vogel ab. Er kam 2010 zu uns und Du wirst es nicht glauben, aber der schlief während der Traineransprache einfach mal kurz ein! Also so etwas habe ich noch nie erlebt. In der Kabine haben wir uns dann alle erst einmal sehr blöd angeschaut und waren etwas verwirrt. Wow, ich hab schon so einiges gesehen, aber das war der Hammer. 

Am 24.09.2016 findet Dein Abschiedsspiel in der Lanxess Arena statt, nach so einer grandiosen Karriere kann ich mir gut vorstellen, dass es sehr Emotional für Dich werden könnte.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch gar nicht wirklich sagen, was mich da am Samstag erwarten wird. Ich bin schon gespannt, wenn es soweit ist, wenn ich die letzten Runden drehen werde und wie es dann in mir ausschauen wird. Ich freue mich wahnsinnig auf das Event und lasse mich von allem überraschen.

2252 | Lüdes letzte Eiszeit

Gibt es jemanden besonderen, den Du am Samstag zu Deinem Abschiedsspiel eingeladen hast?

Ich freue mich wahnsinnig, dass meine zwei besten und längsten Freunde René Paecke und André Fritsche dabei sein werden. Das besondere an den Beiden ist, dass sie mich schon mein ganzes Leben begleiten – von Weisswasser bist jetzt. Das witzige daran ist, dass sie mit Eishockey nicht viel am Hut haben, aber immer für mich da waren. Kurz gesagt, Freunde fürs Leben.  

Danke für das Interview und Alles Gute für Deine Zukunft.