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Interview

20. September 2016

Rick Goldmann: "Ich sehe keinen Grund zur Panik bei Mannheim!"

Telekom Eishockey Redaktion

Von Telekom Eishockey Redaktion

Rick Goldmann begleitet als Experte die DEL für Telekom Eishockey. Ihm ging es wie vielen Fans, die nach einem emotionalen und extrem intensiven Auftakt begeistert vom ersten DEL-Wochenende waren.

Rick, das erste DEL-Wochenende liegt hinter uns. Wie hast du es erlebt?

Das war ein wirklich imposanter Start in diese DEL-Saison. Wir haben schnelles, unheimlich intensives und zum Teil sogar überaggressives Eishockey gesehen. Alles in allem eine gute Mischung, die wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht hat!

Eines der Themen zum Auftakt war das Null-Punkte-Wochenende von Mannheim unter ihrem neuen Head Coach Sean Simpson. Wie ordnest du das ein?

Da muss keiner nervös werden. Jeder, der ein bisschen Sportverständnis hat, wird erkennen, dass erst zwei von 52 Spieltagen gespielt sind. Klar, es ist seit 2007 das erste punktlose DEL-Auftakt-Wochenende für die Adler, aber man muss sich auch das wie anschauen: Gegen Krefeld geführt und dann noch abgegeben. Gegen Köln über weite Strecken drückendes Eishockey gespielt und letztendlich einfach verpasst, ein Tor zu erzielen.

Insofern sehe ich da keinen Grund zur Panik bei Mannheim, auch wenn sie noch keine Punkte haben nach dem ersten Wochenende. Sean Simpson ist ein erfahrener Trainer, der sich von so etwas nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Natürlich ist die Messlatte in Mannheim immer hoch, weil sie vermeintlich viele Stars in der Mannschaft haben – auch wenn es mit MacMurchy, Carle und Festerling schon die ersten drei Verletzten gibt.

Also sollte man dem Start der beiden anderen Topteams aus Köln und Berlin mit jeweils sechs Punkten auch nicht allzu viel Beachtung beimessen?

Auch hier gilt: Es sind halt nur zwei Spiele! Ohne Frage ist es schön, einen guten Start zu haben, weil man sich dann einen Lauf aufbauen kann. Vor allem Köln hat mit den Siegen gegen München und Mannheim gezeigt, dass sie sich gegen zwei Meisterschaftsfavoriten durchsetzen können.

Bei Berlin, die ja nicht viele Änderungen im Kader vorgenommen haben, fielen natürlich besonders die neuen Stürmer auf: Nicholas Petersen, der aus Iserlohn kam, hat mit dem ersten Treffer für die Berliner in dieser Saison mehr als angedeutet, zu was er im Stande ist – ein wunderschöner Treffer, der den Sieg gegen Straubing einläutete. So ging es mit ihm auch an diesem Wochenende weiter: Mit drei Toren und fünf Gesamtpunkten ist er bei beiden Wertungen ganz vorne mit dabei.


Nicholas Petersen tanzt Straubing aus

Auch Jamie MacQueen, der frühere DEL2-Toptorschütze hat mit dem 3:1 gegen die Tigers angedeutet, dass er in der DEL ankommen kann. Für einen Spieler, der aus der zweiten Liga gekommen ist (Kassel, Anm.), der vielleicht selber ein Fragezeichen über dem Kopf hat: „Was erwartet mich da in der DEL? Schaffe ich diesen Sprung?“ – ist so ein Auftakt natürlich wichtig. Viele Spieler schaffen diesen Sprung dann eben nicht. Umso wichtiger ist es für ihn, positiv in die Saison und mit Punkten zu starten.

Am ersten Spieltag gab es gleich eine handfeste Auseinandersetzung am Ende des Spiels Krefeld-Mannheim. Mittendrin Adler-Neuzugang David Wolf – wie man ihn eben kennt. Wie hast du die Szene gesehen?


David Wolf vs. Daniel Pietta

Ja, das war etwas unglücklich am Ende. Da waren viele Emotionen dabei und natürlich ist man aus der Sicht der Adler enttäuscht, wenn man geführt hat, das Spiel einigermaßen eng ist und dann doch verliert. Da ist dann viel passiert – 170 Strafminuten. Und wenn es 170 Strafminuten gibt, ist dann eben auch ein David Wolf dabei. Das zeichnet sein Spiel ja auch aus – auch wenn man sich bei so vielen Strafen, unabhängig von einem David Wolf, dann auch fragen muss, ob das so in der Art nötig war. Ich möchte diese Szene auch nicht überbewerten, ich war ja auch nicht im Stadion – von „außen“ ist das oft nicht so leicht zu beurteilen.
 

Telekom-Eishockey-Experte Rick Goldmann

Dieser emotionale Start kann der Liga nur gut tun.


Überhaupt wirkte das Auftaktwochenende sehr emotional, es gab extrem umkämpfte und körperliche Spiele. Ein sehr intensiver Start in diese DEL-Saison, wie siehst du das?

Es war definitiv so, dass wir einen brutal intensiven Start gesehen haben. In fast allen Spielen war es so. Egal, ob es die vermeintlichen Super-Teams der Liga waren, oder die „kleineren“ und den Neuankömmling Bremerhaven. Ich glaube, dieser emotionale Start kann der Liga nur gut tun. Überall, wo Emotionen drin sind, gibt es auch Geschichten – und wo es Geschichten gibt, ist es auch interessant.

Dein Spieler des Wochenendes?


Gustaf Wesslau mit einem von vielen Saves gegen Mannheim - Shutout!

Gustaf Wesslau von den Kölner Haien. Er hat gegen die beiden Titelaspiranten München und Mannheim nur einen Gegentreffer kassiert. So eine Torhüter-Leistung brauchst du, wenn du als Mannschaft ganz oben mitspielen willst.

Abschließend: Eine der kuriosen Szenen des Wochenendes war die „Rasierschaum-Pflege“ von Bernhard Ebner für Max Kammerer von der DEG. So wie wir dich kennen, kannst du uns zu den diversen Hockeybräuchen sicher was Genaueres erzählen.


Ebner versorgt Kammerer

Ach, das gehört einfach dazu. Nachdem Max schon in der letzten Saison einen Treffer erzielt hat, ging es mal nicht um eine „Taufe“ in der Hinsicht. Das ist einfach so in der Kabine und war schon zu meiner Zeit ein beliebter Streich, das ist ein Klassiker! Man hat die Handtücher der duschenden Mitspieler mit Rasierschaum präpariert und darauf gewartet, dass sie zum Abtrocknen kommen. Dann hat sich natürlich der komplette Rasierschaum auf dem Körper verteilt und der Mitspieler musste sich erneut duschen. Teilweise war das so extrem, dass für die Spieler, die als letztes in die Kabine kamen, gar keine Handtücher ohne Präparierung mehr übrig waren. Die hatten dann eben Pech!